"Die alte Brücke über den Weißensee" von Friedrich Drachsel 1977

 

 

Bajuwaren, die ab dem 7. Jahrhundert aus dem Raum Südtirol langsam und friedlich durch das Pustertal gegen das spärlich besiedelte Oberkärnten vordrangen, faßten um 1100 auch am Weißensee festen Fuß. Diese, von Aufschließungsdrang beseelten bairischen Siedler waren auch die Erbauer der, alten, im Alpenraum anderswo nicht anzutreffenden eigenartigen 1248 erstmalig urkundlich erwähnten Brücke über den Weißensee.

 

Für die nun einsetzende Urbarmachung des Südufers war Voraussetzung ein ständiger Verkehrsweg über den See, wozu die Einschnürung bei Techendorf besonders einlud. Die damals schon bekannten Jochbrücken konnten wegen des damals unergründlich scheinenden Schlammgrundes – in 15 m Tiefe erst Schottergrund – nicht Verwendung finden. Um das Eigengewicht der Brücke und das des Verkehrs zu sichern, kamen unsere Vorfahren auf den Gedanken, die Tragflächen durch „Inseljoche“ zu vergrößern.

 

Die Brücke überspannte den See als Bogen mit einer Länge von 130 m bei einem Höchstpunkt von 2 m 30. Die Entfernung der Joche wechselte zwischen 3 bis 7 m, die mit lärchenen Längsträgern verbunden waren. Die meist eine Rechteckform habenden Inseljoche wurden durch 14 bis 24 Lärchenpfähle von einer Länge bis zu 14 m gebildet. Die unregelmäßig geschlagenen Piloten wurden zur Standfestigung vielfach miteinander verbunden. Am Beginn eines Brückenkopfes gab es „Kastenjoche“ – hölzerne Blockbauten, die mit Bruchsteinen gefüllt wurden. Die Fahrbahn war 2 m breit, ihr Belag bestand aus 7 m 70 langen Bohlen, die auf die Längsträger aufgelegt wurden. 40 cm starke, 4 bis 8 m lange behauene Balken hielten sie – eine Art Geländer bildend – an beiden Fahrbahnrändern nieder. Die Großinstandhaltung wurde durch Einrammen von neuen Piloten in die Zwischenräume bestehender, auch schlechter bewerkstelligt. So konnten bei der Abtragung der Brücke im Jahre 1968 vielfach Joche bis zu 70 Pfählen gezählt werden.

 

Der im Laufe der Jahrhunderte riesig steigende Holzbedarf und der große Arbeitsaufwand für die Instandhaltung des immer mehr zunehmendem Verkehr – zuletzt aber der alles beherrschende Motor zwang zum Abbruch der unter Denkmalschutz gestandenen Brücke. An ihre Stelle trat eine neuzeitlichen Erfordernissen dienende Stahlbetonbrücke.

 

Damit versank ein uralter Brückenbau:

 

Der von derben Bauernhänden gezimmerte silbergrau

schimmernde Holzbogen über den Weißensee.“

 

Friedrich Drachsel 1977

 

 

© Edda Maria Bernkopf

Bild Privat 

 

Die alte Brücke über den Weißensee - Friedrich Drachsel 1977
Die alte Brücke über den Weißensee - Friedrich Drachsel 1977